Nerven

Donnerstag, 12. September 2013

Krallenhand

Die sogenannte Krallenhand ist eine Folge der Lähmung des Ellennerv (N. ulnaris). Durch die fehlende Innervation der Handbinnenmuskulatur kommt es zu einer Überstreckung der Finger im Grundgelenk mit zunehmender Beugung im Mittel- und Endgelenk. Zusätzlich ändert sich das Bewegungsmuster der Finger. Da die Grundgelenke nicht mehr bei Beginn der Greifbewegung gebeugt werden können, kommt es zu einer funktionell ungünstigen Bewegung. Die Finger rollen von distal nach proximal ein. Dies führt dazu, dass Gegenstände nicht mehr gegriffen werden können , sondern quasi in die Hohlhand geschoben werden. Die Funktion der Hand ist stark eingeschränkt.
Eine relativ einfache Lösung stellt die sogenannte Zancolli-Lasso Plastik dar. Hierbei werden zwei oberflächliche Fingerbeuger entnommen und in die Ringbänder der Finger eingenäht. Dies erhöht die Spannung auf die Grundgelenke und ersetzt die fehlende intrinsische Muskulatur.
Diese Operation ermöglicht den Patienten postoperativ eine bessere Handfunktion. Gegenstände können ergriffen werden, ohne sie wegzuschieben.

Dienstag, 3. Mai 2011

Schon wieder ulnaris

Ich hatte ja schon mehrfach über die subjektiv guten Ergebnisse nach endoskopischer Dekompression des N. ulnaris berichtet.
Jetzt haben wir die ersten retrospektiven Ergebnisse publiziert:

Leclere FM, Manz S, Unglaub F, Cardenas E, Hahn P
Endoscopic decompression of the ulnar nerve in the cubital tunnel syndrome: About 55 patients.
Neurochirurgie 2011 Apr 28. [Epub ahead of print]

92,5 % sehr gute und gute Ergebnisse im Rating nach Bishop.

Donnerstag, 27. Januar 2011

Schmerzen

Sachen erlebt man.
Da kommt letztens ein Patient, der hat sich im Dezember einen Finger gebrochen. Danach korrekt operiert, aber direkt nach der Operation unerklärliche Schmerzen in der Hand. Die Schmerzen führen natürlich zu einer zunehmenden Bewegungsbehinderung. Also was wird gemacht ? Ab zum Schmerztherapeuten. Dort bekommt der Patient Stellatum-Blockaden mit einigen bekannten Nebenwirkungen.
Bei der Erstvorstellung schildert der Patient ausführlich und präzise seine Vorgeschichte und den Leidensweg. So präzise, dass schon die Arzthelferin nur noch verständnislos lächelt und zur Überweisung greift.
Der Patient beschriebt Taubheit im Daumen, Zeige- und Mittelfinger, nächtliche Schmerzen, Kribbelparästhesien... besser kann man ein Karpaltunnelsyndrom nicht beschreiben. Fazit: Neurologische Untersuchung und dann baldige OP, damit dem Menschen geholfen wird.
Leider werden bekannte, häufige und einfache Ursachen für Schmerzen an der Hand.. z.B. das Karpaltunnelsyndrom .. leider immer wieder übersehen.

Dienstag, 9. November 2010

Video zur Endoskopischen Dekompression

Über die endoskopisch assistierte Dekompression des Nervus ulnaris hatte ich ja schon mehrfach berichtet:
Endoskopische Dekompression
Sulcus nervi ulnaris Syndrom

Bei der Suche auf Youtube fand ich dann doch auch das Video, daß ich mit der Firma Wolf zusammen erstellt habe. Also wen es interessiert, so geht es:
Video der endoskopischen Technik

Dienstag, 28. September 2010

Endoskopische Dekompression

Nachdem ich schon vor längerer Zeit über die endoskopische Dekompression des Ellennerven berichtet habe, möchte ich hier kurz etwas zu den Ergebnissen sagen.
Hofmann berichtet 2006 über 94 % gute Ergebnisse. Die deckt sich mit unseren Erfahrungen mit 93% guter Ergebnisse in der retrospektiven und 95 % guter Ergebnisse in der noch nicht abgeschlossenen prospektiven Studie. Verglichen mit 77- 88 % guter Ergebnisse in den Studien verschiedener konkurrierender Verfahren in den letzten Jahren stellt sich das Verfahren als wirklich gut heraus. Ich werde weiter berichten.

Donnerstag, 17. Juni 2010

CRPS

Den Ausdruck Morbus Sudeck mag ich nicht. Er führt häufig sowohl beim Patienten als auch beim Behandler zu einer "da kann man eh nichts machen" Mentalität. Reflexdystrophie oder CRPS klingt besser, ob es exakter ist, weiss man noch nicht.
Über die Vermeidung will ich hier jetzt nicht sprechen, sondern nur eine Beobachtung mitteilen.
Viele Patienten, mehr als 50%, die uns mit der Diagnose Sudeck, CRPS, Reflexdystrophie vorgestellt werden, haben klinisch ein Karpaltunnelsyndrom. Man muss es einfach wissen und daran denken. Vor allen anderen Maßnahmen sollte ein Karpaltunnelsyndrom klinisch und neurologisch ausgeschlossen oder bestätigt werden. Der erste und wesentliche Schritt der Therapie besteht dann in der Karpaldachspaltung. Diese muss aber stationär unter ausreichender Analgesie mit Plexuskatheter und anschliessender Physiotherapie erfolgen. Die Ergebnisse sind teilweise frappierend.
Wissen und dran denken !

Freitag, 9. April 2010

Fallhand-Krallenhand-Schwurhand

Drei unschöne und teilweise falsche Begriffe für Störungen der motorischen Funktion der Hand.
Ursache sind in der Regel Verletzungen oder Einengungen der Armnerven mit Funktionsverlust.
Leider glauben immer noch viele Ärzte, dass die Funktionsverluste nicht behebbar sind. Es gibt jedoch in vielen Fällen Möglichkeiten, die Funktion wiederherzustellen.
Die sogenannte Fallhand ist die Unfähigkeit das Handgelenk zu strecken. Zusätzlich oder isoliert besteht ein Ausfall aller Fingerstrecker. Hand und Finger "fallen" nach unten und können nicht gestreckt werden. Ursache ist eine Schädigung des Speichennerven, Nervus radialis. Häufig geschieht dies bei Oberarmfrakturen, da der Nerv Eng am Oberarmknochen anliegt und entweder durch den Bruch oder aber bei der Operation geschädigt wird. Häufig kommt es auch zu Schädigungen am Unterarm bei ellbogennahen Speichenbrüchen. Hier liegt der Nerv auch nah am Knochen und kann bei der Operation verletzt werden.
Wenn der Nerv nicht mehr repariert werden kann, oder der Patient zu alt für eine Nervenoperation ist, kommen andere Verfahren in Frage.
Um die Muskelfunktion zu ersetzen kann man die Sehnen intakter Muskeln ( von der Beugeseite) verpflanzen.
Für keine Nervenläsion bestehen so viele alternative Verfahren wie für die Radialislähmung (Fallhand).
Mein bevorzugtes Verfahren ist der sogenannte "Boyes-Transfer". Dieser liefert die funktionell besten Ergebnisse. Die neue Funktion, die der Patient zusammen mit der Krankengymnastik und Ergotherapie erlernen muss, ist aber bei keiner Operation so schwer zu erlernen wie bei dieser Operation.
Nach Operation und Übungsphase kann der Patient aber sowohl handgelenk als auch Daumen und Finger willkürlich strecken und natürlich auch beugen.

Der Begriff der sogenannten "Schwurhand" ist verkehrt. Gemeint ist eine Läsion des Mittelnerven, Nervus medianus. Die sogenannte Schwurhand mit Verlust der Beugung im Daumen, Zeige-und ggfs. Mittelfinger tritt aber nur unter ganz bestimmten, eher seltenen Bedingungen auf. Hierzu muss die Nervenverletzung sehr weit körpernah liegen, um dieses Ausfallsmuster zu erhalten.
Häufiger ist die Schädigung in Höhe des Handgelenkes oder aber im karpalkanal gelegen. Sie kann auch Ausdruck einer hochgradigen Schädigung durch ein Karpaltunnelsyndrom sein. Der Patient wird dann durch den Ausfall der Daumenopposition beeinträchtigt. Der N. medianus versorgt die Muskeln des Daumenballen. Diese sind erforderlich, um den Daumen gegenüber Zeige-und Mittelfinger einzustellen, damit man Gegenstände greifen kann. Wenn diese Funktion verloren geht, kann man keine feinen Gegenstände mehr zwischen Daumen und Zeigefinger greifen, keinen Stift und keinen Schlüssel mehr halten.
Wenn der Nerv irreversibel geschädigt ist, muss der Handchirurg die Funktion durch die Verpflanzung von Sehnen wiederherstellen. Hierzu gibt es eine Vielzahl von Verfahren.
Einen Sonderfall stellen die angeborenen Störungen der Daumenopposition, z.B bei der Daumenhypoplasie dar. Auch hier kann man durch Sehnentransposition oder durch die Verpflanzung eines Muskels, Abduktor digiti minimi, sowohl Funktion als auch Form der kindlichen Hand verbessern.

Die Krallenhand ist die Folge der Lähmung des Ellennerv (N.ulnaris). In der Regel ist die sogenannte Krallenhand (Überstreckung in den Grundgelenken und Beugung in den Mittelgelenken) aber nicht die erste Störung. Wenn motorische Probleme auftreten aüssern sich diese meist zuerst in einer Schwächung des Spitzgriffes. Da die Hand versucht die Kraft zu kompensieren, kann es bei kräftigem Spitzgriff zur übertriebenen Daumenbeugung kommen, Frommentsches Zeichen. Wenn ein hochgradiger Ausfall vorliegt, kann man auch den Spitzgriff durch eine Sehnenverpflanzung korrigieren.
Besteht eine echte "Krallenhand" so sind auch hier Sehnenersatzoperationen möglich. Dies ist wichtig, da man sonst mit der Hand keine grossen Gegenstände mehr umgreifen kann.
Das Thema Funktionelle Störungen bei der Ulnarislähmung hab ich mal ausführlich wissenschaftlich bearbeitet (Habilitation).

Sonntag, 24. Januar 2010

Sulcus nervi ulnaris Syndrom

Kubitaltunnelsyndrom oder Sulcus ulnaris Syndrom
Die Einengung des Ellennerven, Nervus ulnaris, stellt nach dem Karpaltunnelsyndrom die zweithäufigste Einengung eines Armnerven dar. Der Ellennerv läuft hinter dem inneren Oberarmknorren in einer engen Rinne (Sulcus nervi ulnaris). Wenn er dort eingeengt wird, kommt es zu typischen Beschwerden. Zuerst schlafen Klein-und Ringfinger ein. Bei zunehmender Kompression des Ellennerven kommt es zu Einschränkungen der Muskeln. Diese werden schwach und können sich zurückbilden (Atrophie). Die Folgen sind Kraftverlust der Hand, Einschränkungen des Spitzgriffs (Halten zwischen Daumen und Zeigefinger), Verlust der Handspreizung und Störungen des Bewegungsmuster der Finger beim Beugen.
Nach Bestätigung der Diagnose durch eine neurologische Untersuchung ist häufig eine Entlastung des Nerven erforderlich. Wurde der Nerv früher häufig aus seinem Bett auf die Vorderseite des Ellbogen verlagert, kann haute wesentlich schonender operiert werden.
Wir bevorzugen inzwischen die von Hoffmann entwickelte Methode der endoskopisch assistierten Dekompression. Hierbei wird der Nerv über einen kleinen Schnitt freigelegt und dann mit Hilfe eines Endoskopes langstreckig entlastet.
Genauere Informationen hierzu finden sich hier:
HandBrief zum Thema
Der Vorteil ist einerseits ein kleine Operationswunde eine kürzere Ruhigstellung und in vielen Fällen eine schnellere Erholung der Handfunktion

Mittwoch, 30. September 2009

Daumenbeugung fehlt

Kiloh-Nevin-Syndrom
Die Beugung des Daumens kann durch Sehnenverletzungen ausfallen. Ursache können offene Wunden aber auch gedeckte Sehnenrisse bei Arthrose oder Rheuma sein.
Immer wieder sieht man jedoch Patienten, die plötzlich über einen Ausfall der Daumenbeugung klagen ohne das Verletzungen,Rheuma oder Arthrose bekannt sind.
Wenn der behandelnde Arzt sich nicht auskennt, kann dies zu unnötigen Operationen führen.
Der Muskel für den Daumenbeuger, M.flexor poll. longus, wird von einem Endast des N. medianus, dem N. interosseus ant. versorgt.
Wenn dieser, was häufig vorkommt, am mittleren Unterarm unter einem Muskel abgequetscht wird, fällt die Beugung aus, ohne dass die Sehne verletzt ist.
Eine sorgfältige Untersuchung des Patienten kann hier häufig einen Hinweis geben. Die Diagnose wird dann vom Nervenarzt nach elektrischer Untersuchung des Muskels bestätigt.
Wenn eine konservative. abwartende Therapie keinen Erfolg bringt, muss der Nerv am Unterarm freigelegt werden.
Ganz schwierig kann die Diagnose sein, wenn wie heute gesehen, zusätzlich eine offene Verletzung an anderen Regionen der Hand vorliegt.

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